Der August markiert die Reifezeit. Die Ernte beginnt, die Natur zeigt sich in voller Pracht. Doch zugleich spürt man: Der Höhepunkt ist überschritten, der Wandel hat fast unmerklich begonnen. Der Sommer, der vielerorts mit Regen und Kühle gefühlt noch gar nicht richtig angefangen hat, beginnt bereits ganz langsam, sich dem Ende zuzuneigen.
Ähnlich verhält es sich in Ihrem Elternhaus: Eine Phase fängt an, zu Ende zu gehen. Langsam, aber unaufhaltsam. In den letzten Wochen hat sich in den vertrauten Räumen viel verändert. An vielen Stellen klaffen Lücken, manche Zimmer sind schon ganz leer. Einiges ist Ihnen leicht gefallen, anderes war unendlich mühsam. Jetzt ist der Moment gekommen, auch das anzugehen, was Sie bisher aus Angst vor Fehlern aufgeschoben haben. Es geht darum, etwas mit Klarheit, Würde und Entschlossenheit bewusst abzuschließen.
Martina Kaiser beschreibt in ihrem Buch *Der Jahreskreis* den August als Zeit der Vollendung. Vollenden heißt aber nicht nur loslassen oder danken. Es bedeutet auch:
Jetzt entscheiden. Entschlossen. Mit Dankbarkeit und Würde. Keine (weiteren) Umwege oder Ausflüchte mehr.
Gerade beim Auflösen des Elternhauses ist das ein kraftvoller Schritt: Nicht länger zögern, sondern handeln. Nicht aus Härte, sondern aus innerer Reife heraus.
Vollenden heißt: Klar entscheiden
Der Moment ist da, um bewusst zu entscheiden. Nicht leichtfertig, nicht impulsiv, sondern klar: „Das gehört zu mir, das behalte ich. “ Oder: „Das darf gehen, auch wenn Mama es so liebte. “
Mit jeder Entscheidung würdigen Sie nicht nur die Gegenstände und Ihre Eltern, sondern auch sich selbst. Sie lassen Unsicherheit und Zögern hinter sich und treffen Entscheidungen, die wirklich zu Ihnen passen.
Ernten, was in Ihnen gereift ist
Im August wird sichtbar, was gewachsen ist – auch in Ihnen. Vielleicht haben Sie sich durch schmerzhafte Erinnerungen gearbeitet, Erwartungen losgelassen oder schwierige Gespräche geführt. Diese Erfahrungen sind Ihre persönliche Ernte. Jede klare Entscheidung der letzten Wochen hat Ihre Handlungsfreiheit gestärkt. Das hilft Ihnen, nun die letzten großen oder auch kleinen Entscheidungen zu treffen, die noch anstehen.
Nicht alleine kämpfen, sondern gemeinsam abschließen
Früher war die Ernte ein Gemeinschaftswerk vieler. Auch beim Auflösen des Elternhauses müssen Sie nicht alles allein bewältigen, sind an einigen Stellen auf Hilfe angewiesen. Aber selbst wenn es nicht anders geht, und Sie fast alles selbst tun mussten: Sprechen Sie mit Freunden über Ihre Entscheidungen. Falls Kritik kommt, nehmen Sie sie an, aber lassen Sie sich nicht davon verunsichern. Es sind Ihre Entscheidungen. Sie haben sie so gut getroffen, wie es Ihnen möglich war. Und das ist mehr, als Sie sich zu Beginn vielleicht zugetraut hätten.
Vier Tipps für mutige Entscheidungen und klare Abschlüsse:
- Wenn Sie bei einer Entscheidung feststecken: Fragen Sie sich nicht „Soll ich? “, sondern: „Was ist ein reifer, verantwortungsvoller Schritt für mich und mein Leben? “ Gehen Sie diesen Schritt.
- Blicken Sie zurück: Welche Entscheidungen haben Sie in den letzten Wochen getroffen, vielleicht gegen Widerstände? Schreiben Sie sie auf. Die Liste wird länger sein, als Sie anfangs vermuten. Das gibt Mut für die nächsten Schritte.
- Erlauben Sie sich, abzuschließen: Akzeptieren Sie, dass Ihr Elternhaus bald Geschichte sein wird. Nicht alles muss zum hundertsten Mal durchdacht oder gefühlt werden, auch wenn es unumgänglich scheint. Manches darf jetzt enden, und sei es nur, damit Sie Ihren Frieden finden.
- Sprechen Sie mit anderen: Teilen Sie Ihre Gedanken und Entscheidungen. Lassen Sie sich dabei nicht verunsichern durch das Urteil anderer. Das schafft Klarheit und stärkt Sie.
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Der August lehrt uns: Dinge enden. Sie dürfen enden. Manchmal braucht es eine entschlossene Entscheidung im Elternhaus, um endlich inneren Frieden zu finden.
Würdigen Sie daher, was war. Seien Sie dankbar, auch für all das, was schwierig war oder Ihnen unendlich viel Arbeit gemacht hat. Und dann: Verabschieden Sie sich. Sprechen Sie es ruhig laut aus: „Ich entscheide. Jetzt. Für mich. Und für mein Leben, das noch kommt. “
* Quellen
- Martina Kaiser (10. Aufl. 2019): Der Jahreskreis. Den Rhythmus der Natur als unsere Kraftquelle nutzen. Aurum Verlag / Kamphausen Media, Bielefeld, Seite 130f.
(2023 erschien eine komplett überarbeitete und erweiterte Auflage.) - Foto: fotocommunity.de (OIP-1929871264.jpg)
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